Heute, auf den Tag genau vor einem Monat, legte ich mehrere tausend Kilometer von meiner Heimat entfernt nach einem 2,5 wöchigen Retreat meine safranfarbene Mönchsrobe im „Wat Pa Haew Hai“ im Nordosten Thailands (Si That) ab. Nachdem ich nun langsam wieder im Alltag angekommen bin und die zahlreichen, gewonnen Eindrücke verarbeitet habe, möchte ich Euch in den nachfolgenden Zeilen von meinen Erlebnissen während meines Tempelaufenthaltes berichten.

Nach einer wunderschönen ersten Urlaubswoche in Chiang Mai, machten wir uns am Morgen des 1. August auf den Weg in Richtung Flughafen, um den Rückflug nach Udon Thani über Bangkok anzutreten. Während wir die vergangen Tage dank des sonnigen Wetters so richtig genießen konnten, half uns das Klima am Tag des Abschieds. Heftiger Regen umspülte die Straßen und sorgte innerhalb weniger Stunden für knöchelhoch bedeckte Straßen und überquellende Kanäle. Während der Regenzeit nicht wirklich verwunderlich, jedoch stimmte das Wetter die Woche zuvor und ermöglichte uns viele tolle Ausflüge und einige Stunden am Hotelpool.

Fast schon fluchtartig am Flughafen angekommen, fiel mir nach dem Check-In am Gateway ein gesonderter Wartebereich für Mönche und Novizen ins Auge, der mich erstmals seit meiner Ankunft intensiv an die vor mir liegenden Wochen meines geplanten Retreats denken ließ. Obwohl ich mich nur wenige Stunden von einem drastischen Lebenswechsel entfernt befand, flößte mir der Gedanke an mein Vorhaben weiterhin keine Angst ein. Ich dachte nicht an die mir bevorstehenden, zahlreichen Entbehrungen, aufkommende Gedanken und aus Ihnen entstehende Gefühle, sondern setzte mich gedanklich mit der entdeckten  „Buddha Lounge“ am Gate auseinander. Einrichtung und Positionierung des spartanisch-traditionell, jedoch bequem aussehenden Bereiches, erinnerten mich an das umfangreiche „Regelwerk“ (Pætimokkha) und die Stellung der buddhistischen Gemeinschaft (Sangha) im Land und gaben mir so ein beruhigendes Gefühl anerkannt, akzeptiert und ausreichend versorgt zu werden.

In Udon Thani angekommen, nahm ich auf der Verladefläche eines Pickups Platz, der mich vorbei an vielen Reisfeldern und Obstplantagen in den knapp 100 Kilometer weit entfernten Tempel „Wat Pa Haew Hai“ brachte. Ich genoss die Aussicht und den kühlenden Fahrtwind und freute mich auf die bevorstehende Veränderung. Auf etwa halber Strecke legten wir einen Zwischenstopp in der kleinen Stadt Kumphawapi ein, deren Stadtzentrum von Affen bewohnt wird. Der Anblick der überall herumstreunenden Tiere, verschaffte mir so kurz vorm Ziel dankbare Ablenkung. Während die mitgereiste Familie ein paar Mitbringsel für den Tempel auf dem Markt einkaufte, begab ich mich in eine Seven-Eleven Filiale, um mir eine letzte selbsterworbene Mahlzeit zu gönnen.

Wohlwissend, während der nächsten Wochen nur einmal am Tag Almosen essen zu können, überdachte ich meinen Einkauf gut. Meine Wahl fiel auf einen großen Becher stark gesüßten Eiskaffee, eine Tüte scharfer Chips und ein Thunfischsandwich aus der Convenience-Food Abteilung der Kette. Zufrieden mit meiner Wahl, verzehrte ich den Einkauf während der letzten Kilometer der Fahrtstrecke. Wie ein Raucher, der den Entschluss des Aufhörens für sich gefasst hat, und gedanklich beim Konsum seiner letzten Zigarette Abschied von seinem Laster nimmt, genoss ich meine Mahlzeit. Jeder einzelne Bissen verwandelte so die eigentlich doch sehr einfache Mahlzeit in ein Festmahl. So aß ich das wohl beste Thunfischsandwich meines bisherigen Lebens und führte unbewusst meine erste Handlung der buddhistischen Lehre (Dhamma) aus: Achtsamkeit.

Die Achtsamkeit hielt nicht lange an, denn mit dem Betreten der von dichtem Dschungel umgebenen Zufahrtsstraße des Tempelgeländes, setze langsam innerliche Unruhe in mir ein. Wie in Trance stieg ich von der Verladefläche des parkenden Pickups und machte mich samt Anhang auf den Weg den Abt, Phra Ajahn Tawon, zu begrüßen und um Aufnahme zu bitten. Nachdem ich ihm durch eine dreifache Verbeugung (Wai) meinen Respekt erwiesen hatte, erhielt ich eine Hose und ein Hemd aus weißem Leinen, die typische Kleidung eines angehenden Mönchs oder Novizen (Nak), und wurde gebeten mich umzuziehen.

Ich legte hinter seiner Hütte, geschützt vor den Blicken der mitgereisten, die Nak „Uniform“ an und übergab meinen mitgebrachten Besitz mit Ausnahme einiger weniger Bücher, die ich in einem Tempel (Wat Pa Aranyawiwake) in Chiang Mai zur Vorbereitung auf meinen Tempelaufenthalt erhalten hatte, meiner Familie. Von diesem Moment an besaß ich keinen Ausweis, kein Geld und kein Smartphone mehr. Ein Umstand, der mir wahrhaftig vor Augen führte als Teil des Tempels im Tempel angekommen zu sein.

Nach übersetzter Aufforderung nahm ich, noch immer gefangen in Trance, auf einer kleinen Holzbank platz, entledigte mich meines eben angelegten Hemdes und feuchtete meine Haare mit aus einem Plastikeimer geschöpftem Wasser an, formte meine Hände zu einer Lotusblüte und senkte meinen Kopf, um das Haarschneideritual beginnen zu lassen. Mit jedem Zug des Rasiermessers nahm meine geistige Abwesenheit immer mehr ab. Ich war mir in meinem Vorhaben sicher und genoss die Zeremonie. So erinnerte ich mich an das noch vor wenigen Stunden achtsam verzehrte Sandwich, und zog Parallelen zur jetzigen Situation. In meinen Gedanken verabschiedete ich mich von meiner Familie und ließ mich immer mehr das Geschehen ein.

Den ungewohnt kühlen Luftzug an meinem Kopf spürend, wusch ich die noch an meinem Körper verbliebenen, abrasierten Haare ab, nickte meiner Familie mit einem letzten Blick zu und folgte einem Mönch, der bei der Zeremonie half, zu meinen neuen Ordenskollegen, während die Familie in der Hütte des Abts verblieb. Ich wurde zur überdachten Medizinhalle, dem Aufenthaltsort der Mönche während des Nachmittags, geführt und stellte mich mit meinen rudimentären Thaikenntnissen den dort wartenden 8 Mönchen vor, bevor ich neben den in der Halle brodelnden zwei Kesseln, in denen die berühmte Medizin des Tempels auf zwei gemauerten Offen gekocht wird, schweigend Platz nahm.

Einer der anwesenden Mönche brach das Schweigen und begrüßte mich lächelnd mit den Worten: „Welcome to Wat Pa Haew Hai, we have zero stars and only breakfast“. Erleichtert, ein paar englische Wörter zu hören, legte sich meine innerliche Aufgeregtheit ein kleines Stück weit. Ich erhielt eine Flasche Wasser und eine Tasse heiße Medizin aus einem der brodelnden Kessel und verbrachte die nächsten Minuten mit dem Versuch trotz der vorherrschenden sprachlichen Barrieren auf beiden Seiten etwas Konversation zu betreiben. Es sollte sich herausstellen, dass der eben gehörte englische Satz scheinbar vorbereitend einstudiert wurde und keiner der Mönche über für Konversation ausreichende Englischkenntnisse verfügte. Glücklicherweise traf nach einer halben Stunde Kommunikation mit Händen, Füssen und vereinzelten Thaivokabeln der Abt mit einem jungen Mann in der Medizinhalle ein, der sich mir als ehemaliger Mönch des Klosters in einem sehr guten Englisch vorstellte.

Ghob, erklärte mir den grundsätzlichen Tagesablauf des Klosters und half mir bei der erneuten Vorstellung. Nachdem ich dem Abt und meinen Mönchskollegen meine Absichten des Aufenthalts mittels des Dolmetschers erklärt hatte, stellte ich mich den zahlreichen Fragen der Mönche, während Ghob für mich wichtige Pali-Chants in einem mitgebrachten Buch markierte und um weitere Verse ergänzte. Nach reichlich, durch den freundlichen Volontär ermöglichter, Konversation erhielt ich mein aus zwei Roben, einer Waschrobe, einer Wanderrobe, einem Handtuch, einer Zahnbürste, Zahnpasta, Seife und einer kleinen LED-Taschenlampe bestehendes Mönch „Starterset“ und machte mich mit einem Mönch und Ghob auf den Weg zu meiner Hütte, um dort meine Sachen abzulegen und mein Nachtquartier vorzubereiten. An meiner Hütte angekommen, sah ich mich mit einem flüchtigen Blick um, legte meine Hab und Gut auf das einzige Möbelstück des Zimmers, einem kleinen Tisch mit goldener Buddhastatue, und folgte meinen Wegweisern zurück zur Medizinhalle, in der ich vom Abt Anweisungen für die erste Nacht in meinem neuen Domizil erhielt.

In den folgenden Minuten wurde mir die achtsame Atmung (Ānāpānasati) erklärt. Ich erhielt den Ratschlag mich im späteren Verlauf des Abends in meiner Hütte auf meine Atmung zu konzentrieren und diesen mit dem Wort „Bud-dho“ (Put-tho) in Gedanken zu verfolgen. Ich lernte, auf dem Höhepunkt des Einatmens leise in Gedanken „Bud“ (Put), gefolgt von einem „-dho“ (tho) beim Ausatmen zu sagen. Atmete ich anfänglich noch zwanghaft, so ging die Methode nach wenigen Minuten der Übung in einen normalen Rhythmus über. Ich verstand, dass ich meinen Atem nicht kontrollieren, sondern ihn beobachten und durch die im Geiste zu wiederholenden Silben begleiten sollte. Im nächsten Schritt lernte ich zusätzlich die tiefsten Punkte beider Atmungen zu beobachten. Hierfür wurde ich angewiesen bei der Einatmung auf das Gefühl an der Nasenspitze und beim Ausatmen auf das Gefühl meines Atems an der Oberlippe zu achten, während ich die Begleitsilben in Gedanken wiederholte.

1. Einatmen, den Atemhöhepunkt an der Nasenspitze spüren und in Gedanken „Bud-„ sagen.

2. Ausatmen, den Atemhöhepunkt an der Oberlippe spüren und in Gedanken „-dho“ sagen.

3. Schritte 1 und 2 wiederholen und beobachten wie der Atem immer flacher und ruhiger wird.

Ich erhielt die Anweisung die soeben erlernte Atemmeditation, die normalerweise im Lotussitz durchgeführt wird, so lange aus der Seitenlage heraus zu wiederholen bis ich einschlafe. Nach Abschluss der Einführung in die Atemmeditation wurde mir vom Abt aufgetragen diverse Pali-Chants, die ich am nächsten Tag benötigen würde, nach der Abendandacht zu lernen. Zur Unterstützung wurde mir für diese Aufgabe ein Mönchskollege zugewiesen.

Mit meiner kleinen Taschenlampe und meinem Andachtsbuch bewaffnet, folgte ich den anderen Mönchen durch einen Trampelpfad in Richtung Sala. Schnell lernte ich warum ich die Taschenlampe erhalten hatte. Die kleinen Pfade abseits der Hauptgebäude waren nicht beleuchtet und hatten alle paar Meter einiges an Dschungelbewohnern zu bieten. Auf den wenigen Hundert Metern sah ich so Frösche, Schnecken, diverse Ameisenstraßen (die einige Minuten zuvor noch nicht dagewesen waren) und nicht sehr freundlich aussehende Hundertfüssler mit dem Umfang einer Zigarre. Ich begriff schnell, dass ein konzentrierter, achtsamer Gang in diesem Umfeld absolut (lebens-)notwendig ist. In Gedanken versunken hätte ich mit Sicherheit auf das ein oder andere Tier getreten und mir im schlimmsten Fall einen giftigen Stich oder Biss von einem der zahlreichen Dschungelbewohnern eingehandelt.

Ich wohnte der Abendandacht in der auf vier Säulen und zu drei Seiten offenen Sala bei und versuchte den Chants so gut wie möglich mit meinem Andachtsbuch, welches ich vor dem Reiseantritt im Internet gefunden hatte, mitzuhalten. Da Thais diverse Buchstaben und Silben anders aussprechen, hatte ich oftmals viel Mühe die richtigen Textzeilen zu finden, war aber froh über das Buch und die in ihm enthaltene Übersetzung. Nach der Andacht machte ich mich, um diverse Mückenstiche reicher, mit dem mir zugewiesenem Mönch auf den Weg in die beleuchtete Medizinhalle, um die Rezitationen für den morgigen Tag zu lernen. Auch hier stolperte ich wieder über die für mich ungewohnte Aussprache, was mich dazu veranlasste meinen Mönchskollegen die Sätze langsam sprechen zu lassen und diese in Lautschrift zusätzlich festzuhalten. Mit dieser Methode waren die diversen Verse schnell gelernt. Wir beschlossen das Training zu beenden und uns in unsere Hütten zu begeben. Ich verabschiedete mich und versuchte mit der mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, aus Gestiken und vereinzelten Thaivokabeln bestehenden Sprache, darum zu bitten am nächsten Morgen geweckt zu werden.

Müde und hungrig machte ich mich auf den Weg in meine Hütte, begutachtete mit meiner kleinen Taschenlampe die diversen Spinnenweben und versuchte die dazugehörigen Bewohner ausfindig zu machen. Da das Licht für die Suche nicht ausreichte, legte ich mich auf die kleine Bambusmatte, die ich am Nachmittag ausgerollt hatte und versuchte den Anweisung des Abts, meinen Atem zu beobachten, Folge zu leisten. Meine Übung wurde immer wieder von auftauchenden Gedanken oder Geräuschen aus dem Dschungel unterbrochen. „Was war das?“, „Kann ich hier schlafen?“, „Was krabbelt alles über bzw. in mich während ich schlafe?“, „Wo gehe ich hin wenn mir etwas passiert, wen rufe ich zu Hilfe?“, „Ich hätte mir noch die Toilette zeigen lassen sollen“, „Ob es hier viele Schlangen und Skorpione gibt?“, „Sind diese vielen Hundertfüssler eigentlich lebensgefährlich?“, „…“.

Ich kam einfach nicht zur Ruhe und machte mich zunehmends mit meinen Gedanken selber verrückt, so dass ich schlussendlich aufgab meinen Atem zu beobachten, da ich immer wieder neue Anlässe für beunruhigende Gedanken erfand. Als schließlich der heftige Monsunregen auf das Wellblechdach meiner Hütte niederprasselte, stand ich dem Nervenzusammenbruch nahe. Ich benahm mich wie ein kleines Kind, daß sich auf dem Weg in den dunklen Keller mit seinen Gedanken selbst ängstigt. Ich sammelte mich. Redete mir ein jetzt keine Chance zu haben von meinem Vorhaben zurückzutreten und versuchte mich wieder auf meinen Atem zu konzentrieren. Auftretende Gedanken hämmerte ich förmlich durch ein immer lauteres „Buddho“ in meinem Kopf zurück. Bereits nach wenigen Minuten ernsthafter Versuche merkte ich, dass die mir vermittelte Technik durchaus effektiv ist. Desto länger und gewissenhafter ich mich auf  meine Atmung konzentrierte, umso wenige brach mein Geist mit all den unbeantworteten Fragen aus und umso ruhiger wurde ich. Ich akzeptierte meine Situation und wiederholte die Übung bis ich irgendwann einschlief.

Da ich es nicht gewohnt war auf einer harten Oberfläche ohne Matratze, Decke und Kopfkissen zu schlafen, dauerte der Schlaf nicht lange an. Ich wachte mehrfach in dieser Nacht mit einem schmerzenden Hüftknochen auf, wechselte die Seite und wiederholte die Atemübung bis ich erneut einschlief, bis zu dem Zeitpunkt an dem es an meiner Tür klopfte. Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und begrüßte den Mönchskollegen, der meine Bitte vom Vorabend scheinbar verstanden hatte.

Mit Zahnbürste, Zahnpasta und meinem Handtuch bewaffnet, lief ich zum Wasserbehälter vor meiner Hütte. Ich fasste mir ins „Haar“ und stellte fest, dass ich dieses ja am Vortag verloren hatte und erfreute mich an dem ungewohnten Gefühl auf meinem Kopf. In der noch dunkelblauen Umgebung versuchte ich über den Wasserbehälter gebeugt mein Aussehen auf der Wasseroberfläche zu erkennen, gab aber nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen auf und begann mir die Zähne zu putzen. Wach vom kalten Wasser, folgte ich dem Mönch zur Andachtshalle. Ich nutzte den Weg, um über meine erste Nacht im Tempel nachzudenken und erkannte nach den harten, aber sehr lehrreichen Stunden, das alle Gefühle in mir selbst entstehen und ich diese mit der mir vermittelten Technik kontrollieren bzw. unterdrücken kann.

Glücklich und ein wenig stolz auf mich selber, beobachtete ich meine Kollegen bei der Vorbereitung des Almosengangs. Ich versuchte möglichst viel mit den Augen zu lernen, um dies schon in Kürze, sobald ich die Erlaubnis hatte meine Robe anzulegen, zu wiederholen.

Tagesablauf:

05:00     Rise and Shine

05:30     Vorbereitung des Almosengangs

06:00     Almosengang

08:00     Fegen des Tempelgeländes/Arbeiten

09:00     Treffen in der Versammlungshalle/Morgenandacht

09:30     Danksagung/Essen

10:30     Studium

13:00     Treffen in der Medizinhalle

15:00     Arbeiten

18:00     Waschzeit

19:00     Waschen des Abts

20:00     Abendandacht

21:00     Dharmavortrag oder Sitzmeditation

23:00     Geh- und/oder Sitzmeditation

Bücher:

A Practising Guide to Peace (PDF) vom ehrenwerten Phra Ahjan Plien Panyapatipo (Englisch)  
Ein Leben innerer Werte (PDF) vom ehrenwerten Luang Ta Maha Boowa (Deutsch)

Forest Dhamma (PDF) vom ehrenwerten Luang Ta Maha Boowa (Englisch)

Links:

Dhammatalks.net
Theravada-Dhamma.org (mit besonderer Empfehlung der MP3 Dhamma-Talks von Bikkhu Martin)
Buddhanet.net

Gerne hätte ich diesen Beitrag mit dem Ausruf „Ich bin dann mal weg“ eröffnet. Bekanntermaßen ist mir hier aber schon jemand zuvorgekommen. Abgesehen davon, wäre die Überschrift meinem Vorhaben nicht ganz gerecht geworden, denn im eigentlichen Sinne trete ich keine rein spirituelle Reise der Selbstfindung, sondern meinen Jahresurlaub mit einem abenteuerlichen Abstecher als kleines persönliches Highlight an. Doch dazu später mehr.

 …Alle Wege führen nach Bangkok…

Am 22. Juli bringt uns der Flieger nach Thailand, wo wir die nächsten fünf Wochen über unseren schon sehr lange herbeigesehnten Jahresurlaub verbringen werden. Neben dem obligatorischen „Location-Hopping“, welches auf unsere Reiseplanung und Thailands sternförmiges Flugstreckennetz zurückzuführen ist („Alle Wege führen nach Rom Bangkok“),  soll sich in diesem Jahr ein schon lange von mir gehegter Traum, dem ich mit einer ordentlichen Portion Respekt entgegen fieber, erfüllen. Bevor der Traum verwirklicht werden soll, ist aber erstmal „klassischer Urlaub“ angesagt.

 Nach unserer Ankunft am 23. Juli geht es bereits am frühen Nachmittag weiter in Richtung Udon Thani, wo wir die nächsten drei Tage im Kreise der Familie verbringen werden, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Bangkok machen, um die Reise in Richtung „Chiang Mai“, unserem zweiten Zwischenstopp, anzutreten.

Auch wenn die Flugpreise weiterhin durchaus bezahlbar sind (~ 50€ pro Person und Strecke), bleibt ein fader, die Reiseroute betreffender Beigeschmack. Es fühlt sich immer wieder komisch an zurück in die Landesmitte fliegen zu müssen, um bequem mit Sack und Pack vom Nordosten des Landes in den Norden zu gelangen. Alternativen gibt es einige, jedoch empfinde ich lange Busfahrten oder Nachtzüge als nicht wirklich kinderkompatibel und wer schon einmal in einem süd-ost asiatischen Reisebus gesessen hat weiß, dass hier die gesamte Fahrtzeit über der Fernseher auf voller Lautstärke läuft. Momente, in denen man selbst mit solch einem Spielzeug nur kurz Freude an der meist langen Fahrt hat.

 …Nachtmarkt, Tempel und Berge in Chiang Mai…

Der viel zu kurze Aufenthalt in dieser Region hat uns 2009 so gut gefallen, dass wir in diesem Jahr etwas mehr Zeit in den Bergen verbringen möchten. Die selbstorganisierten Tagesausflüge von Tempel zu Tempel, während der wir einige Höhenmeter sehr abenteuerlich überwanden und mit malerischen Szenerien und nachhaltigen Eindrücken belohnt wurden, wollen auch in diesem Jahr fortgesetzt werden.

Wer auch nur annähernd mit dem Gedanken spielt dem Land des Lächelns einen Besuch abzustatten, dem sei diese Region für den sanften Reisebeginn wärmstens empfohlen. Im Gegensatz zum Moloch der Landeshauptstadt, in dem einen auf dem Weg von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit auch mal Polizeimotorräder auf dem Bürgersteig entgegen kommen können, entfaltet sich in dieser Region eine sehr entspannte Urlaubsatmosphäre in malerischem Ambiente. Bereits der Anflug auf die von Bergen umgebene Stadt dürfte so manches Herz höher schlagen lassen.

Es locken der berühmte Nachtmarkt, der neben den landestypischen Plagiaten auch reichlich in der Region produzierte Souvenirs und kleine Kunstwerke zu bieten hat, Dinner-Shows des Lanna-Königreichs, diverse Bergstämme (u.a. die Langhälse Karen), heiße Quellen und mit „Doi Suthep“ einer der schönsten Tempel des Landes. Eine gute Vorbereitung auf die schier unausweichlichen Reizüberflutungen, die spätere Reiseziele garantiert auslösen werden.

 …Meer, Korallen und Dschungel in Ko Chang…

Am 1. August geht es wieder einmal über Bangkok in Richtung „Ko Chang“, einer in der Region „Trat“ nahe der kambodschanischen Grenze gelgene Insel. Hier werden wir einen zehntägigen Strandurlaub einlegen und so für etwas Kontrast zu den vielen Wanderungen und Tempelbesichtigungen in „Chiang Mai“ sorgen. Eigentlich wollte ich auch in diesem Jahr wieder „Ko Samui“ einen Besuch abstatten, da wir die Insel aber schon kennen und neues entdecken möchten, bietet sich dieses Reiseziel an.

Die von 46 kleineren Inseln umgebene Hauptinsel soll auch heute noch über knapp 70% nicht erschlossenen Dschungel im Landesinneren verfügen. Erkundungen der unzähligen kleinen Strände und weitere Wanderausflüge dürften ausreichend Abwechslung für die geplanten 10 Tage bieten. Die Insel orientiert sich mit den ersten größeren Resorts zunehmend auch am Massentourismus, scheint aber im direkten Vergleich mit „Ko Samui“, „Ko Phi Phi“ und Co. noch am „unberührtesten“.

Für etwas Bedenken sorgt der Besuch während der Regenzeit bei mir. Während sich auf der viel südlicher gelegeneren Insel „Samui“ jeden Tag zur selben Uhr- und Jahreszeit die plötzlich auftauchenden Woken eine Viertelstunde entleerten, rechne ich in dieser Region mit weitaus mehr „Schauern“. Aber wer nicht wagt. der nicht gewinnt.

 …Berge, Strand und Bettelschale…

Mit (hoffentlich) reichlich Ruhe und Erholung werden wir am 10. August die Rückreise in Richtung „Udon Thani“ antreten. Nach ein paar weiteren Tagen im Kreise der Famile, werde ich mich für ein vierzehntägiges Retreat in einen Tempel der buddhistischen Waldtradition begeben, welchen ich bereits im Jahr 2009 besucht habe. Damals entstand ein neues Gebäude des Tempelkomplexes, bei dessen Bau ich gemeinsam mit Bewohnern umliegender Dörfer zumindest für ein paar Stunden tatkräftig mitwirken konnte. Trotz sprachlicher Barriere, verstand man sich mit einigen wenigen Gesten und Wörtern problemlos. Die schweißtreibende Arbeit in der Gemeinschaft ist auch zwei Jahre später noch eine der intensivsten und schönsten Erinnerungen an den letzten Besuch.

Einige von Euch werden sich sicherlich nach meiner Motivation fragen, diesen nicht ganz alltäglichen Weg zu bestreiten. Die schnelle Antwort auf diese Frage lautet „Dankbarkeit„. Täglich habe ich die Freiheit mein Essen nach Appetits- und Genußaspekten selbst bestimmen zu können. Sauberes Wasser finde ich in rauhen Mengen nach kurzer Betätigung des Hahns vor. Nachrichten, Informationen und häufig distanzüberbrückender Kontakt zu den liebgewonnenen erhalte ich mit wenigen Handgriffen/Klicks dank neuer und alter Medien. Diese Liste an „Selbstverständlichkeiten“ könnte endlos weitergeführt werden. Doch ist all dies wirklich selbstverständlich?

Das Leben ist schnell und intensiv geworden und bietet kaum noch Chancen inne zu halten und vergangenes Revue passieren zu lassen. Von dem temporären Mönchsleben mit all seinen Richtlinien verspreche ich mir hauptsächlich eine ausgeprägte Dankbarkeit für alle diese Dinge in unserer schnelllebiegen Zeit. Darüberhinaus möchte ich auf den häufig aus dem Munde von zukünftigen „Big Brother Container“ Bewohnern zu hörenden Kausal zurückgreifen: „Ich nehme an diesem Projekt teil, um meine eigenen Grenzen in Erfahrung zu bringen. Ich bin gespannt wie es mir abgeschnitten vom Rest der Welt und meinen liebgewonnenen so ergehen mag…“.

Mit dem Anlegen der gespendeten Mönchsrobe und dem Entgegennehmen meiner Bettelschale beginnt sicherlich eine harte Zeit, auf die ich mich zwar sehr freue, vor der ich aber auch reichlich Respekt habe. So werden die Fragen auf dem Weg zum Tag X zahlreicher. „Wie wird das sein, nur einmal pro Tag und lediglich erbettelte Nahrung zu sich zu nehmen?„, „Drehe ich alleingelassen mit meinen Gedanken durch?„, „14 Tage können sehr lang sein, werde ich durchhalten?„, „Werde ich mir mit meiner Mönchsglatze einen Sonnenstich einfangen?„, …

Ihr und ich werdet Antworten auf all diese Fragen nach meinem Urlaub erhalten.

Zur Abwechslung mal wieder eine Zusammenstellung einiger Favoriten. Man möge mir das Genre und was ich unter diesem aufgelistet habe verzeihen, denn dieses passt nicht wirklich vollumfänglich in den alternativen Sektor, würde bei mir aber genau so (wenn auch nicht in dieser Reihenfolge) auf einem MixTape landen.

 Suggestions? Anyone?

 

 

Staind – Outside
Tears for Fears – Mad World
Soundgarden – Black Hole Sun
Pearl Jam – Alive
Atreyu – The Theft
Placebo – The Bitter End
Therapy? – Die Laughing
Smashing Pumpkins – Disarm
Simon & Garfunkel – Sound of Silence
Incubus – Drive
Goo Goo Dolls – Iris
System of a Down – Aerials
Skunk Anansie – Hedonism
R.E.M. – Man on the Moon
The Cranberries – Zombie
Portishead – Numb

Die unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“1989 als politische Demonstration angemeldete erste Loveparade unter der Schirmherrschaft von Dr. Motte sollte einen Meilenstein setzen und schon bald über sich selbst hinaus wachsen. Was mit 150 Leuten, die damals friedlich und fröhlich einem alten VW-Bus mit Musik folgend den Berliner Kurfürstendamm  hinunterzogen begann, entwickelte sich schnell zu einem Megaevent.

Ich erinnere mich inbesondere gerne an 1999. Selbst die lange Anreise mit Freunden und Musik im Gepäck, begleitet von spontanen Freuden und Tanzeinlagen auf verstopften Autobahnen oder Parkplätzen sind in sehr guter Erinnerung geblieben. Wann sah man schon Leute, die während eines Staus auf Autodächern tanzten, sich Getränke reichten und einfach Spaß hatten?

Während sich eine Metropole bereits Wochen vor dem Event auf den Ausnahmezustand vorbereitete, blieben uns oft nur wenige Tage. Die Loveparade machte insbsondere in ihren jungen Jahren den Anschein eine spontane, das „Wir-Gefühl“ stärkende Veranstaltungsreihe zu sein.

Die Spontanität, die sicherlich auch an der Erstveranstaltung anno ’89 maßgeblich beteiligt gewesen ist, verband ich immer direkt mit diesem Event. Werden wir pünktlich ankommen? Wo werde ich übernachten? Werde ich überhaupt schlafen? Werden wir am Montag pünktlich und ausgeruht auf der Arbeit sein? Fragen über Fragen, die jedes Jahr im Vorfeld unbeantwortet blieben. Es fanden sich zu unserem Glück immer Freunde, von Freunden, von Freunden, bei denen Rucksack, Isomatte und nicht benötigter Schlafsack abgestellt werden konnte.

Die Parade hatte aber auch Ihre Probleme. Sorgte  man sich anfänglich noch um einige Raver auf Verkehrsschildern und Ampelanlagen, wurden deren Podeste in den darauf folgenden Jahren vor dem Event mit Seife eingerieben. Es gab Probleme und es gab Lösungen, doch Zäune und Absperrungen wurden genau wie tragische Zwischenfälle kaum gesehen – Ein Wunder bei den sich kontinuierlich steigernden Massen. Kontrollen gab es in den ersten Jahren nur wenige, genau wie Todesfälle. An- und Abreise konnten frei gestaltet werden und kannten oftmals nur unvermeidliche Staus und Limits des öffentlichen Transportwesens als Grenze. Wer Platz und Luft benötigte musste nur ein paar Schritte abseits des Treibens tätigen.

Da sich die Veranstaltung trotz großer finanzieller Unterstützung durch Sponsoren, die werbewirksam und zielgruppenorientiert die „In-Crowd“ von eigenen „Floats“ ansprechen wollten, scheinbar nicht richtig rechnen wollte, wurde im Jahr 2006 die letzte Großveranstaltung in Berlin abgehalten. Müll, Zerstörung und die Ausgaben für deren Beseitigung standen den Einnahmen der Stadt Berlin gegenüber – zumindest der Rechnung von Stadt und Veranstalter nach.

Nach einigem Hin und Her wurde der Ruhrpott als neuer Austragungsort gefunden. Die Parade wird am Leben gehalten, während eine Region ihr Image aufbessern kann. Eine klassische Win:Win Situation.

Den Anfang machten Essen und Dortmund 2007 und 2008 mit Besucherzahlen weit über der 1 Millionen-Marke, während das für Bochum geplante Spektakel im Jahr 2009 aus Platzgründen konsequenterweise abgesagt wurde.

Nach den erschütternden Zwischenfällen vom gestrigen Tag in Duisburg, welche fast 20 Todesopfer  und mehrere Hundert verletzte Personen gefordert haben, stelle ich mir kontinuierlich Fragen nach dem Warum, die sich meinen Schlußfolgerungen nach nur mit kommerziellen Gründen und Gier beantworten lassen können.

Was spontan und ohne Zäune mit reichlich Platz begann, wurde auf ein viel zu kleines Gelände mit kontrolliertem Ein- und Ausgang verlegt.  Nur ein solches Areal bringt den Veranstalter in Sachen Verpflegung und Merchandise in eine für ihn angenehme Monopolistenstellung, welche über Kontrollen – wenn der Eintritt schon nichts kostet – aus seiner Sicht gut überwacht und geschützt gehoert. In diesem Jahr jedoch zu einem viel zu hohen, menschlichen Preis…

Meine Trauer und mein Mitgefühl geht an die Opfer und deren Familien, sowie die Generation, die aus 150 Leuten auf dem Kurfürstendamm binnen weniger Jahre 1,5 Millionen gemacht hat.

Mit dem Aus der Loveparade, welches auf der heutigen Presskonferenz verkündigt wurde, wird eine ganze Generation beraubt. Ein Absage zeugt zwar von Pietät, jedoch sollte man sich wieder auf die Anfänge und die Grundgedanken der Erfinder konzentrieren:

Ein 1. Juli der Freude und Liebe ohne Zäune, Ausbeutung und Gier – ein friedliches Zusammentreffen gleichgesinnter junger Leute ohne künstlich geschaffene Gefahren.

Garage und 2 Step ist bis auf einige wenige Ausnahmen (Artful Dodger, Shanks & Bigfoot) nie wirklich bei uns vertreten gewesen. Eigentlich schade, da ich mich während meiner Zeit auf der Insel richtig mit dem Genre angefreundet hatte.

Anfänglich war ich noch entsetzt bei meinen ersten Besuchen neben einer House Music Area einen dedizierten Garage Floor mit Live MCs im Ministry of Sound vorzufinden – verbrachte jedoch sehr schnell bevorzugt meine Abende auf letzterem.

 

Double 99 – Ripgroove
Oxide & Neutrino – No Good 4 Me
Artful Dodger (feat. Craig David) – Re-Rewind
Pied Piper and the Masters of Ceremonie – Do you really like it?
Shola Ama – Run to me
Lovestation – Teardrops
Kele Le Roc – My Love
De Nada – Love you anyway (Crash & Burn Remix)
DJ Luck & Mc Neat – Little bit of luck
Artful Dodger (feat. Romina Johnson) – Movin to fast
Baby D. – Let me be your fantasy (Trick of treat Remix)
Amar – Sometimes it snows in April
187 Lockdown – Gunman (Original Mix)
Whitney Houston – It’s not right, but it’s ok (G3 Mix)
Wookie – Battle
Sweet Female Attitude – Flowers

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