[HowTo] Rikomagic MK802 als preiswerter Medien Server im Auto (CarPC/HTPC)

8 Mai
2013

Auf der Straße fallen mir immer häufiger neben mehr oder weniger sinnvoll platzierten, teils überdimensionierten Navigationsystemen, die typischerweise in Kopfstützen eingebauten Monitore und DVD-Player ins Auge. Dabei dürfte doch die Zeit von tragbaren DVD-Player Systemen mit SD-Wiedergabe Geschichte sein. Portable HD-Abspielgeräte sind spätestens seit der starken Verbreitung von Tablets allgegenwärtig, warum also nicht auch im Auto?

Der Weg führt konsequent weg von den oben beschriebenen Single-Purpose Devices, hin zu Moniceivern in 2-DIN Größe, welche dabei sind die guten alten Autoradios mit CD(-Wechslern) aus den Einbauschächten unserer Autos zu vertreiben. Entsprechende Geräte, sind zwar in ordentlicher Qualität schon ab 350€ aufwärts zu finden, dienen aber ohne Displays im Hinteren des Fahrzeugs mit hohem Installations- und Kostenaufwand, eher der optischen Aufwertung der Fahrzeugamaturen. Von den Rücksitzen aus macht das Betrachten eines Films auf einem 7″ oder 9″ Display im vorderen Bereich mit Sicherheit keinen Spaß – zumal der Fahrzeugführer sich sowieso auf die Straße und nicht auf den multimedialen Blickfänger konzentrieren sollte.

Ich möchte Euch in diesem Beitrag eine nicht nur für Besitzer von Tablets preiswerte Alternative zu den o.g. Geräten und den sog. CarPC & HTPC vorstellen. Dank einer cleveren Idee, die -so vermute ich- ursprünglich über Kickstarter los getreten wurde, sind die Android basierten MiniPC im handlichen USB-Stick Format schon eine ganze Weile verfügbar. Die u.a. von Rikomagic angebotenen Sticks sollen nicht SmartTV fähige Fernsehgeräte mit ihrem Funktionsumfang aufwerten. Unterstützt der heimische Flachbildschirm beispielsweise von Haus aus kein Youtube, oder die diversen Mediatheken der Fernsehsender, so lässt sich genau diese Funktionalität durch die je nach Bezugsquelle und Typ 40€ bis 90€ teuren Sticks nachrüsten. In den per MicroUSB gespeisten Geräten befinden sich neben Multikern CPU und GPU ein integriertes WLAN-Modul, 4-8 GB interner (Daten-)Speicher, 1 GB Arbeitsspeicher sowie eine USB und MicroSD Schnittstelle. Wo man üblicherweise einen männlichen USB-Anschluß vermutet, ragt ein HDMI-Stecker aus dem Stickgehäuse. Mehr als genügend Ressourcen und Schnittstellen, um ein kleines MediaCenter zu betreiben. Die passenden Funktionen lassen sich dank des üppig bestückten Google Play Stores schnell und günstig (~11€) einspielen. Mit der benötigten Hard- und Software landen wir so, je nach Speicher- und Gerätewahl bei 50-150€ Euro für ein vielseitig einsetzbares, kleines und portables MediaCenter. Wer sich ein solches Gerät konfigurieren möchte, findet nachfolgend eine passende Anleitung.

Benötigte Hardware:

Installation & Konfiguration:

  • Den Android Stick an den Fernseher anschliessen, WLAN einrichten und das neuste Update gemäß Anleitung des Herstellers (über update.zip auf der microSD Karte) einspielen. Zur Bedienung reicht der Anschluss einer USB-Mouse.
  • Filme/Musik auf microSD und/oder USB-HDD kopieren und mit dem Android Stick verbinden
  • BubbleUPnP (gratis) inkl. Lizenz (~3,49€) aus dem Google Play Store installieren
  • MX Player Pro (~4,40€) aus dem Google Play Store installieren (Optional für lokales Playback)
  • Tasker (~2,99€) aus dem Google Play Store installieren
  • Wifi Tethering in den Systemeinstellungen von Android konfigurieren (Netzwerk-SSID, Sicherheit und Passwort festlegen). Das Tethering aktivieren und die Verbindung mit einem Smartphone/Tablet testen.
  • MX Player Pro starten und Meldungen bestätigen. Testweise einen Film abspielen, um ggfs. automatisch benötigte Codecs (für Hardware Decoding) nachzuladen.
  • Tasker starten und einen Autostart für “Tether Wifi” und “Bubble UPnP” bei Systemstart über die Aktionen (Klick auf das Plus-Symbol) konfigurieren (Profile: „AutoTether“. Condition: „Device Boot“. Task: „WIFI Tether“ → set On & „Load App“ → BubbleUPnP)
  • BubbleUPnP starten und in den Einstellungen den „Local Media Server“ so konfigurieren das der komplette Inhalt der eingelegten MicroSD Karte zur Verfügung gestellt. Zusätzlich kann über einen weiteren „Custom Mountpoint“ noch sämtlicher Inhalt angeschlossener USB-Speichermedien zur Verfügung gestellt werden. Hierfür /mnt (oder beliebig tieferen Pfad unterhalb /mnt) konfigurieren.
  • Den Android Stick neu starten und überprüfen ob der Access Point sowie der BubbleDLNA Server automatisch starten (Erkennbar an den Meldungen und Symbolen unten rechts bei (Android 4.x))
  • Sollte der Autostart nicht funktionieren, die o.g. Schritte wiederholen.

Wurde alles eingerichtet und erfolgreich getestet, muss der Android-Stick nur noch mit Hilfe des 12V USB-Zigarettenanzünderadapters im Auto angeschlossen werden. Sucht Euch hierfür einfach einen passenden Platz. Ich habe meinen Stick mit selbstklebendem Klett-Band unterhalb des Handschuhfachs befestigt und das MicroUSB Kabel ordentlich verlegt. Je nach genutztem Stromkreis des 12V-Anschlusses (und Fahrzeug) startet der Stick automatisch bei Entriegelung des Autos oder Aktivierung der Zündung. WICHTIG: Auf evtl. anliegenden Dauerstrom prüfen, um eine leergesaugte Batterie bei längerer Standzeit zu verhindern.

Fahrgäste auf der Rückbank können sich nun mit ihrem iOS oder Android Gerät (Smartphone, Mediaplayer, Tablet) mit dem WLAN AccessPoint des Sticks verbinden und über einen DLNA Client/Renderer die zur Verfügung gestellten Medien abspielen. Unter Android empfehle ich als DLNA UPnP Client ebenfalls BubbleUPnP unter iOS nPlayer oder AirPlayer. Habt Ihr Euch für den Anschluss einer USB-Festplatte entschieden, wird ein Ende des Y-Kabels mit dem Stick und das andere Ende mit dem zweiten USB-Anschluß des Zigarettenanzünderadapters verbunden. Die insbesondere sehr jungen Mitfahrer werden es einem auf längeren Fahrten danken. Bis zu 3 Geräte können den Dienst ohne Probleme gleichzeitig nutzen. Wer möchte, kann die u.g. Ideen zur Erweiterung des Anwendungsfeldes umsetzen.

Mögliche Erweiterungen:

  • Samba Filesharing über den Google Play Store installieren und konfigurieren (lokaler Fileserver für Datenaustausch)
  • VNC Server (z.B. DroidVNC) über den Google Play Store zu Fernwartungszwecken installieren
  • PPP Widget zum Freigeben eines per USB-verbundenen UMTS Sticks oder Smartphones mit aktivierter USB-Tethering Unterstützung  aus dem Google Play Store installieren (noch ungetestet durch mich. So können die Gäste auch noch Internet im Auto mit Ihren Geräten nutzen.
  • Einen kleinen Akku mit MicroUSB Anschluss zwischen Ladeadapter und Stick installieren. So kann der Player (z.B. bei kurzen Stopps an Tankstellen), weiterhin seinen Dienst verrichten und das in der Nähe der Wohnung geparkte Fahrzeug kann bequem von daheim mittels Samba Fileshare mit neuen Medien betankt werden (solange der Akku Strom liefert).
  • Zweites MicroUSB-Kabel + Stromadapter im Handschuhfach mitführen, so kann der Stick auch im Hotel, oder bei Freunden genutzt werden.
  • Einbau eines HDMI-Verteilers mit Anschluss von Kopfstützten- oder Mittelkonsolen-Monitoren (sofern schon vorhanden oder eh geplant)
  • Anschluss des Autoradios mittels HDMI auf Composite Adapter oder unterstützter USB-Soundkarte zwecks Streaming von Musik
  • Einbau eines kleinen USB-Touchscreen (der von Android unterstützt wird)
  • Installation der XBMC für Android Portierung

Das o.g. lässt sich übrigens in ähnlicher Form auch mit einem Raspberry Pi mittels AccessPoint (hostapd) kompatiblem Wifi Nano-Stick, einem DLNA Server (MiniDLNA, TwonkyMedia, XBMC, MediaTomb, BubbleUPnP,…) realisieren, ist jedoch nicht so schön kompakt wie der Android Stick, dafür aber flexibler in Sachen Konfiguration und Erweiterung. Ich hoffe, dass der ein oder andere Gefallen an dieser preiswerten Lösung findet. Kommentare, Fragen und Anregungen sind wie immer herzlich Willkommen.

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